• Anja Russo

Frauen 40+: Wie uns diese 3 negative Glaubenssätze davon abhalten, unser Wunschleben zu erschaffen

Aktualisiert: Jan 29

Da stehen wir nun, im strömenden Regen und bis auf die Knochen durchgefroren. Die Autos rauschen an uns vorbei und wir bekommen noch einen Schwall Gully-Wasser ab. ... Aber hey, wir sind glücklich! Denn: Wir haben uns gerade zum ersten Mal geküsst.

Kannst du dich noch an deinen ersten Kuss erinnern? Ich hoffe, bei dir war es ein schöneres Ambiente.


Sei’s drum, wir waren selig. Ich war 16 (jaaa, ich war eine Spätzünderin), und mit meinem ersten Kuss rollte sich mit einem Mal mein ganzes Leben vor meinem inneren Auge aus. Also nicht gleich in diesem Kuss-Moment und auch nicht wirklich das ganze Leben. Aber die nächsten 20 Jahre meines Traumlebens konnte ich schon bald glasklar sehen:


Mit 16: erster Kuss, erster Freund, erstes Mal. Mit 19: Abi, dann Ausbildung oder Studium. Mit Mitte 20: der erste richtiger Job. Auch mit Mitte 20: meine große Liebe treffen, erste gemeinsame Wohnung. Mit Ende 20: Hochzeit. Vor 30: erstes Kind. Nach 30: zweites Kind, Haus, Hund - geschafft!


Kommt dir dieser Lebensplan bekannt vor? Ich wette! Vielleicht mit kleinen Abwandlungen. Doch ich würde sagen, dass er im Großen und Ganzen dem entspricht, was wir Frauen, die zwischen 1970 und 1982 geboren sind, uns für unser Leben ausgemalt haben.


Und, was soll ich sagen: Mein Lebensplan ist aufgegangen! Mit kleinen Umwegen. Aber mit Mitte/Ende 30 war im Wesentlichen alles geschafft. Wunderbar, lief doch wie am Schnürchen!


Für einen Moment können wir durchatmen, doch dann…

Mit Ende 30, Anfang 40 war für mich „Midlife“ noch ganz weit weg. Und mit einem Mal bin ich mittendrin. Und wenn du das hier liest, dann trifft, zumindest Letzteres, auf dich wahrscheinlich auch zu.


Und dabei stört uns noch nicht mal die Tatsache, dass per definitionem, unsere zweite Lebenshälfte begonnen hat. Sondern vielmehr, dass die erste so schnell an uns vorbeigerast ist, richtig? Denn gedanklich sind wir doch gerade noch einem Kleinkind mit sandigem Gesicht hinterhergerannt.


Eine neue Art der Schwere, die sich in unseren Leben breit macht, drückt mehr und mehr auf unsere Stimmung. Ein bisher unbekanntes Gefühl der Orientierungslosigkeit macht sich breit und wir spüren, dass wir vor einem Wendepunkt stehen. Unser Lebensplan ist scheinbar erfüllt. Ist das der Grund, warum wir unser Leben als weniger dynamisch und zukunftsgerichtet empfinden als früher?


Eigentlich sollten wir doch jetzt durchatmen und uns zurücklehnen können. Unser Leben vom Liegestuhl aus, mit einem Drink in der Hand, beobachten und dabei zufrieden lächelnd auf das Erreichte blicken. Eigentlich. Wäre da nicht diese eine Frage, die 24/7 wie die Leuchtreklame eines mittelmäßigen Hotels in Manhattan in unserem Kopf aufblinkt: WAS JETZT?


Wenn unsere Kompassnadel nicht mehr ruhig steht: Ist das etwa die Midlifecrisis?

Du hast richtig gelesen. Es gibt sie wirklich: die Midlifecrisis. Auch bei uns Frauen. Doch sie hat nach meinem Empfinden so gar nichts zu tun mit dem klischeehaften Bild eines Mannes um die 50, der plötzlich im knallroten Porsche mit einer sehr jungen Beifahrerin um die Ecke biegt.


Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die Lebenszufriedenheit in einer Art U-Kurve verläuft: Im mittleren Alter ist sie am niedrigsten und so ist die Lebensphase ab 40 oft geprägt von Unzufriedenheit und der bereits erwähnten Orientierungslosigkeit. Mit 40+ sind wir und unser Leben am anfälligsten für Krisen.


Ich empfinde diese Lebensphase, und vielleicht geht es dir auch so, vielmehr als eine Art neuen Zugang zu bisher nicht gestellten Fragen und unbekannten Ansichten über das Leben im Allgemeinen. Und über mein Leben im Besonderen. Ich spüre eine Spur von Rebellion, die ich bisher nicht kannte. Ein Aufbäumen gegen die Rolle, die mir als Frau ab 40 zugedacht ist. Oder die ich mir zugedacht habe? Und ich empfinde eine Art Entdeckerlust und Vorfreude auf das, was noch alles auf mich wartet.


Und dann sind da noch die anderen Gefühle: Selbstzweifel, Ziellosigkeit, Angst vor Veränderung und vor etwas Neuem, das Gefühl der Verlorenheit. Und auch ein bisschen das nagende Gefühl der verpassten Chancen, das gefährliche Was-wäre-hätte-ich-Szenario.


Unsere äußeren Umstände mit 40 und älter

Vor allem für uns Frauen ändert sich ab 40 oftmals viel:

Die Kinder brauchen uns weniger, die ersten Freundinnen sprechen davon, dass ihre Ältesten bald ausziehen. Unsere Ehe braucht uns wieder mehr (mehr gegenseitige Aufmerksamkeit, mehr Paar-Zeit, mehr gute Gespräche, wieder mehr Gemeinsamkeiten). Die ersten befreundeten Paare haben sich bereits getrennt. Die eigenen Eltern brauchen zunehmend Unterstützung. Wir bemerken auch an unserem Körper, dass wir älter werden, gehen damit aber doch nicht so souverän um, wie wir es erwartet hatten. Auch, wenn solche Veränderungen es erschweren können, in sich hinein zu hören und sich wieder mehr auf sich selbst zu konzentrieren: Das sind (meist) nicht die wahren Gründe dafür, weshalb wir in einem Zustand aus Unzufriedenheit und Orientierungslosigkeit verharren. Was ist es also dann?


Ich bin überzeugt, dass es typische, blockierende Denkmuster gibt, die viele Frauen ab 40 haben. Denkmuster, die sie davon abhalten, ihr Leben in allen Aspekten ehrlich zu prüfen und gegebenenfalls neu auszurichten. Die sie davon abhalten, wieder mehr auf ihre Bedürfnisse zu schauen. Die sie in ihrem wachsenden Wunsch nach Wandel und Veränderung sabotieren.


Und über die wird viel zu wenig gesprochen.


3 sabotierende Denkmuster, die wir Frauen ab 40 haben können


1. Das Risiko der Veränderung ist zu hoch, denn ich habe so viel mehr zu verlieren als zu gewinnen

Dieses Denkmuster ist deshalb so fatal, weil es uns zu einer falschen Rechnung verleitet. Ich will dir an meinem Beispiel zeigen, was ich damit meine:


Wie du vielleicht weißt, war ich über 16 Jahre in einem Unternehmen im Marketing tätig. Ich habe sehr lange mit der Entscheidung gerungen, ob ich in dieser Anstellung bleiben oder das Unternehmen verlassen soll. Ich wusste schon länger, dass ich mich beruflich verändern möchte. Aber bei jedem Gedanken an die Kündigung, wiederholte eine Stimme in meinem Kopf gebetsmühlenartig, was ich aufgeben müsste: meine Festanstellung, mein gutes Standing bei meinen KollegInnen und Vorgesetzten, ein sicheres Gehalt usw.

Auf der anderen Seite der Rechnung listete ich meinen „Gewinn“ auf, also das, wofür es sich lohnen würde, meinen Job zu kündigen: die Realisierung meines Traumjobs, die spannende, berufliche Veränderung, die Flexibilität als Selbständige etc.


Die Abwägung, also die Rechnung, ob es das Risiko „wert“ sei, war also: alte Festanstellung mit allen Vor- und Nachteilen versus Neubeginn mit allen Vor- und Nachteilen.


Ich schrieb klassische Pro und Contra-Listen, ich fragte Familie und Freunde um Rat, ich recherchierte, rechnete, rotierte. Doch ich konnte mich nicht entscheiden. Bis ich spürte, dass mir ein wichtiges Puzzleteil für meine Entscheidung fehlte. Bis ich mir endlich die wichtigste Frage stellte: Was würde ich VERLIEREN, wenn ich weiterhin in der Sicherheit meiner Anstellung bliebe?


Die Antwort darauf war: meine Zufriedenheit, meine Lebensfreude, meine Leichtigkeit und die feste Überzeugung, dass ich mein Leben selbst gestalten kann.


Und dieses Risiko war viel zu hoch. Dieses Risiko konnte ich nicht eingehen. (Wenn du wissen möchtest, was ich nach dieser Erkenntnis getan habe, dann lies diesen Blog Post.)


Wenn du merkst, dass du dich mit diesem Glaubenssatz selbst sabotierst, dann ist mein Tipp: Formulieren deinen Glaubenssatz in deinen eigenen Worten. Beantworte dann diese beiden Fragen, möglichst schriftlich:

  • Was verliere ich, wenn ich in Umständen verharre, die nicht mehr zu mir passen?

  • Welches Risiko gehe ich dadurch wirklich ein?


Nutze gerne diese Vorlage für die Beantwortung der Fragen.


2. Ich muss daran festhalten, wofür ich mich entschieden habe

Kennst du diesen Gedanken? Vor allem im Job, aber auch in Beziehungen, scheint es die eiserne Regel zu geben, dass wir das, was wir angefangen haben, auch durchziehen müssen. Einmal Steuerberaterin, immer Steuerberaterin. Einmal beste Freundin, immer beste Freundin. In einem Coaching hat mal eine Klientin gesagt (…also so ungefähr…): „Meine Vierziger, das sind doch die Jahre, in denen ich endlich wissen sollte, was ich will. Die Lebensphase, in der ich angekommen und gefestigt sein sollte.“


Tja, was soll ich sagen: Du bist nicht alleine mit diesem Gedanken, ganz im Gegenteil. Wir alle dürfen uns die Freiheit nehmen, unsere Beziehungen, unseren Job, einfach alles zu hinterfragen. Und so zu prüfen, was noch zu uns passt und was gehen darf. Sagte ich dürfen? Wir „müssen“ das sogar tun, denn anders ist ein glückliches und erfülltes Leben gar nicht möglich. Möchtest du wissen, mit welchem Gedanken sich dieser innere Hausputz gleich viel besser machen lässt? Um es mit den Worten meiner Klientin auszudrücken:

„Meine Vierziger, das sind die Jahre, in denen ich endlich wissen sollte, was ich will. Die Lebensphase, in der ich angekommen und gefestigt sein sollte. Und von hier aus kann ich zu neuen Ufern starten und mich auf neue Abenteuer einlassen.“


Vielleicht wird es dir mit diesem Bild noch klarer: Du hast die letzten 20 Jahre deines Lebens damit verbracht, eine große, schöne Burg zu bauen. Deine Burg steht auf einem starken Fundament, sie ist aus festem Stein gebaut. Hier hast du Feste gefeiert, Stürme überstanden, Kraft gesammelt, deine Lieben um dich versammelt, ihr habt gelacht und geweint. Und jetzt steigst du auf den Burgturm. Was kannst du sehen? Was offenbart sich dir erst jetzt? Zu was hast du jetzt erst Zugang?

Mein Tipp: Mach dir eine Liste mit den Dingen, die bisher wichtig für dich waren. Die du erreichen wolltest und auch erreicht hast. Von ganz klein bis ganz groß, immateriell und materiell. Diese Fragen können dir bei deiner Liste helfen:


  • Welche Ziele konntest du erreichen?

  • Was hast du nicht erreicht? Ist es dir wichtig, das noch zu erreichen?

  • Welche neuen Ziele und Wünsche sind dazu gekommen? Welche davon möchtest du noch erreichen?


Nutze gerne diese Vorlage für die Beantwortung der Fragen.


Es gibt nichts, wirklich gar nichts, was in Stein gemeißelt ist. Kein Job, keine Beziehung, keine Rolle. Du hast jeden Tag die Wahl, auch als Mama und auch mit über 40.


3. Es ist nicht meine Entscheidung / Es liegt nicht in meiner Hand

Wann haben wir eigentlich beschlossen, dass wir die wichtigsten Entscheidungen für unser Leben mit spätestens Mitte 30 getroffen haben? Und dass danach keine wichtigen Entscheidungen mehr auf uns warten? Oder vielmehr: Dass wir mit Mitte 40 nicht mehr die Wahl haben? Dass wir von automatisch nicht mehr auf manuell schalten können?


Es scheint als hätten wir uns über die Jahre ein Lebenskonstrukt erschaffen, das einem Korsett gleicht, das so starr und unflexibel ist, dass es Entscheidungen, die unsere persönliche Zukunft betreffen, einfach nicht mehr zulässt. Der Gedanke „Mein Leben ist nicht meine Entscheidung“ schwächt uns und lässt uns oftmals (ver)zweifeln. Und begünstigt damit ein Verhalten, das ich zunehmend bei Frauen über 40 beobachte. Ich nenne es den „Kamikaze-Weg“, den wir aus der absoluten Not heraus einschlagen. Wenn wir einfach nicht mehr weiterwissen, einfach nicht mehr weiter machen können wie bisher. Und deshalb sofort ausbrechen müssen.


Du kennst diese Kamikaze-Entscheidungen vielleicht. Vielleicht von dir selbst oder von einer Freundin. Nach meiner Erfahrung ist diese Art von Entscheidung meist kein kluger, intuitiver Schritt, sondern das Ergebnis von Verzweiflung und Hilflosigkeit.


Wenn du also solch einen blockierenden Gedanken bei dir ausmachen kannst, dann möchte ich dir sagen: Versuche nichts zu überstürzen, sondern nimm diese neue Erkenntnis erst einmal an. Geh nicht in den Widerstand, mach diesen blockierenden Gedanken nicht zu deinem Feind. Sei offen und zeige dich interessiert. Denn Glaubenssätze, sowohl positive als auch negative, bestehen aus einem bestimmten Grund. Sie dienen uns, wenn auch nur für eine gewisse Zeit.


Formulieren deinen Glaubenssatz in deinen eigenen Worten. Beantworte dann diese Fragen, möglichst schriftlich:

  • Wie könnte mir dieser Glaubenssatz in der Vergangenheit gedient haben?

  • In welchen Situationen ist das Gefühl, dass ich keine wirksamen Entscheidungen mehr treffen kann, am stärksten? In Bezug auf meinen Job, in meiner Partnerschaft, wenn ich mit meinen Kindern zusammen bin? Oder wenn es um Finanzen geht?

  • Was macht diese neue Erkenntnis mit mir? Fühle ich mich noch hilfloser? Macht sie mich neugierig, eventuell sogar kämpferisch? Bin ich bereit, diesen Satz aufzulösen? Was brauche ich dafür, ganz intuitiv?


Nutze für die Fragen gerne diese Vorlage, die ich für dich erstellt habe.


Ich möchte dir an dieser Stelle sagen, dass die Arbeit an Glaubenssätzen eine langwierige ist. Unter diesem Blog Post findest du drei Bücher, die ich empfehlen kann, die die Arbeit mit Glaubenssätzen aufgreifen. Und ich möchte dir auch sagen, dass es sehr wertvoll ist, dich mit deinen Glaubenssätzen zu befassen. Denn alle negativen Denkmuster haben gemein, dass sie uns sabotieren und klein halten, und uns davon abhalten, unseren Wünschen nachzugehen.


Und jetzt? Focus on you!

Zu wissen, woher deine Unzufriedenheit kommt, ist ein erster wichtiger Schritt, um etwas zu verändern. Konntest du dich in der ein oder anderen Überzeugung wiederfinden? Oder sind es bei dir ganz andere, die du jetzt besser ausmachen kannst?


Was auch immer du aus diesem Blog Post für dich mitnehmen konntest: Ich möchte dich darin bestärken, den Fokus mehr und mehr auf dich zu richten. Ich vermute, dass du lange mehr an andere als an dich gedacht hast. Doch jetzt stehst du an deinen Wendepunkt, von dem aus du deine Lebensmitte aktiv gestaltet darfst. Vielleicht ist es für dich sogar das erste Mal in deinem Leben, dass du wirklich die Chance hast, die Umstände dahingehend zu verändern, wie DU es möchtest.


Midlife ist eine Chance, eine echte Alternative zu finden zu einem soliden, vorhersehbaren Leben ab 40, ohne viel Lebendigkeit, Abenteuer und Wandlungen. Midlife ist der Zeitpunkt, deine Lebensplan weiterzuspinnen.


Was kannst du jetzt konkret tun?

Wenn du noch ganz am Anfang bist, du also erst seit kurzem spürst, dass sich etwas in dir zu verändern beginnt, dann möchte ich dich dazu ermutigen, diese Türe nicht wieder zu schließen. Lass dich von dem, was kommt, überraschen und mitreißen. Diese Gedanken und Gefühle sind ein Teil von dir, der jetzt gesehen werden will.

Und noch etwas: Vertrau darauf, mit dir alles in Ordnung ist, kein Grund zur Sorge 


Hat dir der Artikel gefallen? Ich würde mich sehr darüber freuen, wenn du mir in den Kommentaren deine Gedanken dalässt. Oder schreib mir eine Email an anja@womenmidlifeblog.com, dann können wir uns persönlich austauschen.


In diesem Sinne,


Alles Liebe

Anja


P.S.: Und hier, wie versprochen, meine Buchempfehlung zum Thema "Glaubenssätze":


John Koheo: Mind Power

René Egli: Das LOL²A-Prinzip: Die Vollkommenheit der Welt

Melanie Hausler: Glückliche Kängurus springen höher



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