• Anja Russo

3 Gründe, warum wir Frauen ab 40 ehrlicher zueinander sein sollten

Aktualisiert: Jan 29

Weißt du, welche meine absolute Lieblings-Folge in der Serie „Desperate Housewives“ war?

Lynette, eine der vier Hauptdarstellerinnen, ist Fulltime-Mom von vier Kindern und völlig überfordert. Sie vergleicht sich mit ihrer Freundin Bree Van de Kamp , die nahezu mühelos die perfekte Frau ist: perfekte Ehe, perfekte Kinder, perfektes Haus – die Desperate Housewives-Fans unter euch wissen, wovon ich spreche…


Um mit den perfekten Müttern wie Bree mithalten zu können, beschließt Lynette, das ADHS-Medikamentihrer Kinder einzunehmen. Das Mittel zeigt Wirkung, indem es ihr zeitweilig Superkräfte verleiht: Sie stemmt problemlos den Alltag mit vier Kleinkindern, näht Kostüme für die Theateraufführung in der Schule, richtet ein Dinner für den Chef ihres Mannes und dessen Frau aus, backt Kekse für die Pfadfinder und so weiter.

Es kommt, wie es kommen muss: Lynette bricht zusammen und gesteht ihrer Freundin unter Tränen, wie es um sie steht. Sie sagt: „Es ist nicht leicht, mit den Bree Van de Kamps dieser Welt Schritt zu halten.“


Ich bin mir sicher, du weißt, was Lynette meint. Denn jede von uns hat in ihrem Leben eine Bree Van de Kamp. Mindestens eine.


Was Lynette nicht ahnt: Bree führt eine glücklose Ehe, das Verhältnis zu ihren Kindern ist zerrüttet und sie arbeitet wirklich hart daran, die perfekte Fassade aufrecht zu halten. Doch das weiß nur sie, und wir Zuschauer natürlich, denn sie lässt sich nicht in die Karten schauen. Auch nicht von ihren Freundinnen.


Was uns davon abhält, zueinander ehrlicher zu sein

Ehrlichkeit unter uns Frauen scheint ein schwieriges Thema zu sein. Bewusst oder unbewusst haben wir es uns zur Gewohnheit gemacht, Rollen zu spielen. Denn jede Rolle, die wir spielen, bedeutet Sicherheit. Jede Maske, die wir tragen, erlaubt uns, uns zugehörig zu fühlen. Die sorgsame Mutter, die liebevolle Ehefrau, die zuverlässige Mitarbeiterin, die hilfsbereite Nachbarin, die unterstützende Tochter, die treue Freundin - wenn wir ein gesellschaftlich erwünschtes Rollenbild erfüllen, ernten wir Zuneigung, vielleicht sogar Bewunderung


Nur selten erlauben wir es einander, hinter unsere perfekten Fassaden zu blicken. Selbst unter Frauen. Oder gerade unter Frauen?


Dabei sitzen wir im gleichen Boot, denn wir alle spielen diese Rollen. Mal bewusster, mal unbewusster. Und auch die Angst vor der Ausgrenzung, die wir erfahren könnten, wenn wir nicht dem Ideal entsprechen, eint uns. Sie ist so groß, dass wir uns zahlreiche Schutzstrategien zurechtgelegt haben, Perfektionismus etwa, Zynismus oder die Aufwertung unserer Person über unseren Status à la meine Kinder, mein Mann, mein Haushalt.


Dabei übersehen wir, dass jede Tarnung, jede Rolle, die wir spielen und die nicht unserer Wahrheit entspricht, eine Form von Lüge ist. Alles, was nicht echt und authentisch ist, ist nichts anderes als Betrug. Und dabei betrügen wir vor allem uns selbst.


Unsere Selbstinszenierung macht uns einsam

Jede Maske, die du trägst, schützt dich vor deiner tiefsitzenden Angst vor Ablehnung und dem Nicht-Dazugehören. Sie bewahrt dich vor Zurückweisung durch deine Liebsten und durch dein persönliches und berufliches Umfeld. Denn mit Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit riskierst du, dich verletzlich zu machen. Du erlebst möglicherweise Ausgrenzung, wenn du deine unangepasste Seite zeigst.


Doch was ist mit dem Schmerz, den du immer dann verspürst, wenn du dich selbst verleugnest? Wenn du gerne davon erzählen würdest, wie es dir wirklich geht, aber stattdessen die Rolle der zufriedenen Frau und Mutter spielst.


Unsere Unehrlichkeit macht uns einsam. Wir denken, dass nur wir diese Gedanken haben, nur wir diese unerfüllten Wünsche, diese Unzufriedenheit, diese Zweifel und Sorgen spüren. Sie entfremdet uns nicht nur von uns selbst, sie entfremdet uns voneinander. Unsere Unehrlichkeit entfernt uns immer mehr und führt uns in die Unsicherheit. Sie beraubt uns der Möglichkeit, Emotionen zu teilen und diese gemeinsam zu erleben.


Wie lange werden wir noch dazu bereit sein, unsere wahren Gefühle und Gedanken tief in uns verborgen zu halten? Wann werden wir auch unsere unangepassten Anteile und unsere Schattenseiten in die Welt hinaustragen?


Warum wird es uns in unserer Lebensmitte nicht mehr leisten können, unehrlich zu sein

Kannst du auch spüren, dass sich die Verbindungen zu anderen Frauen unseres Alters, zu Freundinnen, Bekannten, Nachbarinnen mehr und mehr lösen? Hast du auch das Gefühl immer weniger zu wissen, wie der Alltag und das Leben anderer Frauen wirklich aussieht? Fällt dir auf, dass die Gespräche oberflächlicher und einsilbiger werden? Denn wir lassen uns immer weniger in die Karten schauen. Unsere Masken werden starrer, die Rollen scheinen wie in Stein gemeißelt.


Warum ist das so? Sollten wir in unserer Lebensmitte nicht gelassen und souverän genug sein, um uns in unserer ganzen Vielseitigkeit zu zeigen?


Der beste Weg, um älter zu werden, ist der, mehr und mehr du selbst zu werden. Vielleicht spürst du, dass es an der Zeit ist, dich ehrlich zu zeigen und die Maske abzulegen. Doch du hast Angst davor, dass dich das verletzlich macht. Weil du denkst, dass es nur dir so geht. Dass nur du mit bisher unbekannten Gefühlen, Sehnsüchten und Wünschen konfrontiert bist. Denn andere Frauen hast du davon noch nie sprechen hören, richtig?


Wenn du an diesem Punkt in deinem Leben stehst, dann möchte ich dir sagen: Das ist Weiterentwicklung. Und die lässt sich nie aufhalten. Deshalb ist gerade eines jetzt ganz wichtig: Ehrlichkeit.


Die drei großen Geschenke der Ehrlichkeit

1. Nur mit Ehrlichkeit gelingt persönliche Weiterentwicklung Das Ausdrücken deiner Gefühle, Bedürfnisse und Wünsche hilft dir, deine Persönlichkeit weiterzuentwickeln. Denneine Empfindungen mit anderen zu teilen, bedeutet zunächst einmal auch, die Decke zu lüften und ehrlich zu dir selbst zu sein. Das ist der erste wichtige Schritt, mit dem es dir gelingen kann, dein unbewusst ablaufendes Rollendenken nach und nach aufzubrechen und dir klar zu machen, welches Leben du eigentlich leben möchtest.


2. Dein Selbstvertrauen profitiert von Ehrlichkeit Selbstvertrauen meint das Vertrauen, das du in dich hast. Wie sehr kannst du darauf vertrauen, dass du dieVersprechen, die du dir gibst, auch wirklich hältst? Wie sehr, dass du dir ehrlich deine Gefühle eingestehst? Dass du für dich einstehst und dich so annimmst, wie du bist, mit all deinen Facetten? In der wichtigsten Beziehung, in der Beziehung zu dir selbst, geht es nur mit absoluter Wahrheit. Deine Belohnung ist deine Freiheit und ein starkes Selbstbewusstsein.


3. Ehrlichkeit gibt Sicherheit Ehrlichkeit ist der Beginn von Veränderung. Wir wachsen an unserer Aufrichtigkeit und schaffen dadurch neue Nähe. Wenn wir ganz bewusst das miteinander teilen, was uns innerlich bewegt, schaffen wir die Basis für wahre Begegnungen, getragen von der inneren Haltung des Sich-sicher-Fühlens und des Vertrauens.


Wie können wir es schaffen, uns so zu zeigen, wie wir wirklich sind?

Die Frage ist: Wie ehrlich bist du jetzt gerade? Zu dir, zu deinen Liebsten und zu den Menschen, die dich umgeben? Kannst du für deine Wahrheit einstehen und sie nach außen tragen? Wie sehr würde ich mir wünschen, dass du jetzt aus vollem Herzen „Jaa!“ rufst. Aber die Wahrheit ist: Es ist doch verdammt schwer. Mir geht’s da nicht anders. Und den allermeisten anderen Frauen auch nicht.


Ich möchte dich trotzdem ermutigen: Es gibt nichts Kraftvolleres als dein wahres Selbst zu leben. Im Gespräch mit anderen und im gemeinsamen Erleben von Emotionen. Den ersten Schritt musst DU tun. In deinem Tempo.


Ich musste anfangs über meinen Schatten springen und mutig sein. Um das anzusprechen, was mich wirklich bewegt und womit ich gerade zu kämpfen habe. Um über meine Aufs und Abs zu sprechen. Um meine Maske abzulegen. Und mein Mut wurde belohnt. Je aufrichtiger ich mich zeigte, desto offener wurden die Gespräche mit anderen Frauen. Sie haben mich in ihr Herz blicken lassen. Und ich sie in meines.


Es ist an uns, einen sicheren Raum erschaffen, an dem wir ehrliche Lynettes und Brees sein dürfen. Dort dürfen wir gemeinsam lachen, weinen und wachsen. Dort können wir uns gegenseitig vertrauen. Und das ist ein wunderbares Gefühl!


Wie sind deine Erfahrungen mit dem Thema „Ehrlichkeit unter Frauen“? Lass‘ uns gerne an deinen Gedanken und Gefühlen teilhaben. Oder schreib mir in die Kommentare, wie dir mein Post gefallen hat. Ich danke dir.


Alles Liebe

Anja


P.S.: Ich würde mich unwahrscheinlich freuen, wenn wir meinen Blog für den Austausch unter uns „Midlife Women“ nutzen würden. Denn ich weiß, dass wir sehr viel voneinander lernen können, dass wir uns gegenseitig inspirieren und unterstützen können, dass wir uns verstanden fühlen und miteinander lachen können. Also melde Dich gerne hier zu meiner Email-Community an!

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